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Interview: Mario Laugell, Montana Store

Weißer Boden, schwarze Regale und viel Platz: Die Einrichtung im Montana Store Frankfurt ist auf das Wesentliche reduziert. In dem Graffiti-Fachgeschäft findet man neben Merchandising Produkten, alles was das Sprayer-Herz begehrt: Sprühdosen in über 400 Farben, Caps, Atemschutzmasken. Inhaber Mario Laugell ist Mediengestalter und in der Szene als „Klark Kent“ bekannt. Nebenher organisiert er regelmäßig Graffiti-Events.

Interview:
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Graffiti-Store zu eröffnen?
Eigentlich auf der Suche nach einem Büroraum. Im Jahr 2009 erkannte ich die Tatsache, das a) die Sprayer-Szene im Rhein Main Gebiet unter akutem Dosenmangel litt (ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nicht Dosen aus meinem Privatbestand verkaufen würde) und b) das Montana-Cans (mein Sponsor und Lieblingsdosenmarke) keine vernünftige Verkaufsstelle in diesem Gebiet hatte.

Wer kauft bei Ihnen ein?
Primär ist es die Writer Szene. Inzwischen haben aber auch sehr viele Leute aus dem Künstler- und Hobbybereich unsere qualitativen und preislichen Vorteile erkannt, so dass wir nun den Bedarf an hochwertigen Sprühlacken aus allen Bereichen befriedigen.

Was gehört zur Grundausstattung eines Writers?
Auf der persönlichen Seite: Kreativität, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein und Kritikfähigkeit. Vom Material her ist es sehr unterschiedlich. Das Wichtigste sind Sprühdosen, Sprühköpfe und praktische Bekleidung. Des Weiteren Blackbooks und Marker.

Ist die richtige Wahl derSpraydose entscheidend für ein gutes Bild?
Nicht entscheidend, denn ein guter Sprayer kann mit jeder Dose umgehen. Allerdings erleichtert einem eine hochwertige Dose die Arbeit erheblich und es macht auch mehr Spass, wenn man sich absolut auf das Material verlassen kann.

Wie viele Dosen braucht man für ein Piece im Durchschnitt?
Zwischen 3 und 30 Dosen, je nach Größe, nötiger Geschwindigkeit und Aufwand.

Was kostet das in etwa?
Zwischen 10 und 100 Euro.

Werden Sie außerhalb der Szene kritisiert, z.B. für den Verkauf des „Bombing Packs„?
Nein absolut nicht. Ganz im Gegenteil: Der „Normalbürger“ ist eher überrascht vom Laden und verliert durch unsere Art von Präsentation eher die Angst vor dem manchmal für ihn „unheimlich“ anmutenden Thema Graffiti. „Bombing Packs“ ist ein Begriff, den wir verwenden, welcher sich aber nicht zwingend an den zu verwendenden Zweck bindet. Wir könnten es auch „Sparpaket“ nennen, das würde nichts ändern. Jedenfalls ist es ein dem Thema zugewandter Ausdruck, der in der Szene einfach geläufiger ist.

Versuchen Sie das Image von Graffiti zu verändern?
Wir sehen es als Teil unserer Mission, das Verständnis des Begriffes Graffiti in ein anderes Licht zu rücken. Durch die Medien befeuert, ist dieser mit allzu sehr Negativem behaftet. Hier möchten wir Aufklärung leisten und haben das auch getan. Es gibt außer Schmiererei und Vandalismus noch sehr viele andere  positive Aspekte, welche mindestens den gleichen Anteil am Ganzen haben, die es wert sind mindestens ebenso aufmerksam beleuchtet zu werden. Im Allgemeinen haben wir es uns vor allem zum Ziel gesetzt, das es in absehbarer Zeit in Frankfurt wieder legale Flächen („Hall of Fame’s“) gibt.

Durch Aktionen wie die Gestaltung einer Brücke am Stadion im „Eintracht“ Look, zwei Sprayaktionen auf dem Römerberg (u.a. bei der „Nacht der Museen“), sowie dem kürzlichen „Just writing my name“ Event an der Friedensbrücke, konnten wir Graffiti positiv präsentieren. Auch die Medien haben dies so wiedergegeben. Die Stadtpolitik reagierte inzwischen durch Aufnahme einer Passage im neuen Koalitionsvertrag, in dem ein Kurswechsel zur ablehnenden Haltung gegenüber Graffiti verankert ist.

Sie haben das Online-Graffiti-Spiel „Bomb the World“ entwickelt. Sind weitere Spiele in Planung?
Dieser Teil meines Unternehmerdaseins bleibt zunehmend auf der Strecke, sprich ich konzentriere mich auf das Ladengeschäft. Eine neue Version von „Bomb the World“ ist schon lange in Planung, ein sehr guter Prototyp existiert auch bereits. Leider ist die Zeit nicht vorhanden, um hieran weiterzuarbeiten.

Als „Klark Kent“ sind Sie ein bekannter Writer. Wie hat sich die Szene verändert?
Die Landschaft hat sich sehr verändert. Zum einen ist Graffiti schon lange nicht mehr (nur) als ein Teil der Hip-Hop Kultur zu betrachten und zum anderen gibt es meiner Meinung nach das typische Bild eines „Writers“ nicht mehr. Die Motivationen, Antriebe und Geschmäcker sind so individuell wie die Personen selbst. Das Internet spielt für viele heute eine große Rolle und hat sicher auch einen Anteil an den unterschiedlichen Entwicklungen.

Wohin wird sich die Bewegung entwickeln?
Das ist schwer zu sagen. Eines jedoch glauben wir sicher: Es wird sie noch lange geben und sie ist nicht aufzuhalten.

 

 

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