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sprühen

Old School Graffiti

Kursteilnehmerin Eva Luecke (c) Julia Kapelle

Wenn der Begriff „Sprayer“ fällt, denken viele erst mal an junge Typen. Nicht an die eigene Oma. Vielleicht lässt aber gerade die keine Keksebox, sondern eine Spraydose kreisen. „Senior Street Art“ heißt das Kunstprojekt von Stephanie Hanna aus Berlin. Seit 2005 bietet die Bildene Künstlerin Workshops in Straßenkunst für die Best Ager an.

Interview:

Wie finden Sie die Teilnehmer?
Zu Beginn des Projekts bin ich in Senioreneinrichtungen gegangen, zu Kirchengruppen, Kaffekränzen etc., habe vor allem mit Menschen über 70 gesprochen. Die waren aber oft zu grüppchenbezogen. Einzelne, offene, neugierige Menschen nehmen eher an den Workshopangeboten teil. Oft hören sie von den Angeboten via via, oder manchmal auch über die Pressearbeit der Veranstalter, wie z.B. bei den Backjumps-Ausstellungen in Berlin, in der Autostadt Wolfsburg oder des Instituts für Bildung und Kultur in Remscheid.

Wie alt sind diese im Durchschnitt?
Das Durchschnittsalter schätze ich z.Z. auf ca. 66 Jahre (ohne mich).

Was sind die Beweggründe der Senioren, sich mit Graffiti zu beschäftigen?
Vor allem Neugier. Neugier auf ein Verständnis des Anderen ist Voraussetzung für die Teilnahme an den Workshops, sonst kommst du nicht weit. Manchmal gab es auch individuelle Erlebnisse. Eine Frau in Remscheid hatte z.B. eine Anti-Graffiti-Patenschaft für eine Wandertafel übernommen, und sich gewundert, warum dort immer so schnell neue „Tags“ erschienen, nachdem sie die Karte sauber gemacht hatte. Also besuchte Sie mal einen generationenübergreifenden Workshop, in dem wir Schablonen gemacht und gesprüht haben, und hatte sehr viel Spaß dabei. Wer den anderen versteht, braucht auch keine Angst mehr vor ihm zu haben.

Wie läuft ein Workshop ab?
Mit einer neuen Gruppe kommt zuerst eine Exkursion zu bestehenden Street Art und Graffiti Werken. Wenn dies vor Ort nicht möglich ist, dann gibt es eine Bildvorführung solcher Werke, auch vor allem solcher mit künstlerischen Gehalt. Die interessieren mich am meisten.

Stephanie Hanna (l.) auf einer Exkursion zum Thema Street Art (c) Miriam Troescher

Leiten Sie das Projekt allein?
Ja, aber in der Durchführung frage ich um Unterstützung von KollegInnen. Auch lasse ich mich wiederum leiten von den Interessen der Teilnehmenden. In Berlin gibt es einen kontinuierlichen Kern, der zum Teil seit 2005 immer wieder an Workshops teilnimmt.

Was kostet die Teilnahme an einem Workshop?
Meistens wurden die Angebote auf irgendeine Weise gefördert, und die Teilnahmegebühr ist eher ein symbolischer Beitrag. In Zukunft werden wir einige Angebote frei mit der Gruppe entwickeln. Um auf die Antragsstellungsbürokratie verzichten zu können, werden wir wahrscheinwahrscheinlich eine niedrige Kursgebühr einführen.

Wie reagieren junge Writer auf die ältere Konkurrenz?
Ebenfalls neugierig, wenn es zu Kontakten kam. Froh über die Brücke, das Interesse an ihrer Welt.

Sprayen Teilnehmer nach Ende des Workshops auch auf eigene Faust weiter?
Vielleicht.

Versuchen Sie mit Ihrem Projekt, das Image von Graffiti zu verändern?
Nein, ich versuche nur, Menschen zum selbständigen Denken und Wahrnehmen zu bewegen. Ihre Bilder und Images müssen sie dann schon selbst verändern.

Kursteilnehmerin Eve-Marie John (c) Julia Kapelle

Sie entwickeln mit den Senioren auch Performances. Was ist die Message dahinter?
Das hängt natürlich von der Performance ab. Bei Arto Lindsays „Penny Parade“ am Haus der Kulturen der Welt hat er das Thema vorgegeben, das war z.B. Geld und was man damit tun kann – horten, verteilen, idolisieren, feiern u.a.. Allgemein kann ich sagen, das mir die kreative Tätigkeit wichtiger ist, als ein kreatives Produkt. Mein berufl icher Hintergrund liegt im Theater, ich habe in Berlin und Utrecht Bühnen- und Kostümbild studiert und viel performativ gearbeitet. Der Schritt zur Performance liegt also ziemlich nahe, verbindet die Gruppe und macht ganz nebenbei auch wahnsinnig viel Spaß. Als nächstes planen Sie eine Ausstellung in dem Berliner Stadtteil Neukölln.

Was wird dort zu sehen sein?
Wir werden eine Rauminstallation aus Überbleibseln vorheriger Workshops zusammenstellen. Beginnen wird dieser Prozess mit einer bedruckten Bauplane, die ein Bild aus 2006 abbildet, das so nicht mehr existiert. Von da ausgehend wird sich die Ausstellung mit den Teilnehmenden weiter entwickeln, und auch Workshopangebote beinhalten.

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