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Seed-Bombs: Metropole Eden

Die braunen Handgranaten detonieren in jeder Großstadt. Calistephus chinensis befällt ganze Straßenzüge. notacrime.de über das Gärtnern in der (rechtlichen) Grauzone.

Erinnerst du dich noch an den Löwenzahn-Vorspann? An das zarte Pflänzchen, das den Asphalt sprengte? Und an all die anderen Samenbomben, die plötzlich jede Großstadt-Nische nutzten?

Diese urbane Form des Flower-Power ist jedoch viel älter als Peter Lustig: Ihre mutwillige Form begann – wie sollte es anders sein –  in den 70er Jahren. Einige Hippies kupferten eine Anbau-Methode japanischer Reisbauern ab: die Samenbombe (seed bomb, seed ball). Seed-Bombs sind getrocknete Erdbälle, gespickt mit Pflanzen-Samen. Sie werden wie Handgranaten geworfen und detonieren beim ersten Regen.

Von Asien kamen die Blumen-Bomben als grüne Straßenkunst nach New York. Brache Kübel, Mauervorsprünge, Verkehrsinseln – die Natur wurde dorthin zurück gebracht, wo sie von Planierraupen vertrieben wurde. Löwenzahn, Sommerblumen und Co. sind jedoch illegal – sofern sie ohne Genehmigung an öffentlichen Flächen gepflanzt werden. Deshalb entwickelte sich eine Guerilla-Gardening-Fraktion, junge Menschen, die nicht nur Seed-Bombs warfen, sondern auch schaufelten, säten und gossen. Nachts.

 

Raus auf die Straße!

Wer keine Lust hat, mit seiner Garten-Schippe von zwei bewaffneten Streifen-Polizisten aufgegriffen zu werden, der wählt den unauffälligen Weg: Fünf Teile rote Tonerde, drei Teile Kompost und einen Teil Samen in der heimischen Küche anrühren. Etwas Wasser dazu, kleine Kugeln rollen und sie für zwei Tage in die Sonne legen. Alle Zutaten kannst du als Bausatz im Internet bestellen, zum Beispiel beim Avocadostore. Wenn du sofort losbomben willst, kannst du die Erdklumpen auch nass werfen, oder das Trocknen im Backofen beschleunigen. Keine Lust auf die Pamperei? Dann bestelle deine Seed-Bombs fix und fertig, zum Beispiel bei der Hamburger Ahoimeise. (Dabei bleiben auch die verräterischen schwarzen Ränder unter den Fingernägeln aus.)

Wer das Stadt-Gärtnern missionarisch angehen möchte, findet Futter in Josie Jefferys Buch „Mit Samenbomben die Welt verändern“. Weitere Infos halten die Guerilla-Gärtner für dich bereit.

Seed-Bombs sind einfach, flexibel und wirkungsvoll. Und sie haben Suchtpotenzial. Wer weiß: Vielleicht entwickelt sich die Kleingärtner- gerade zur Großstadt-Gärtner-Nation?

Wie auch immer – Garten-Regel Nummer 1 will stets befolgt werden: Genieße deine Ernte!

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