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Urban Art oder Werbung?

Werbeanzeige von Hilfiger in der Zeitschrift NEON, 2007

Straßenkunst ist authentisch, polarisiert und wirkt auf die meisten Teenager positiv und rebellisch. Unternehmen wie Tommy Hilfiger, Nike, Levis, Adidas oder Red Bull ist das nicht entgangen. Sie alle haben in den letzten Jahren Formen der Urban Art verwendet, um von ihrer jungen Zielgruppe positiv wahrgenommen zu werden.

Guerilla-Marketing heißt das Zauberwort: Stencil-Logos tauchen auf Häuserwänden auf. Werbeanzeigen oder Symbole, wie das aktuelle Olympia-Signet, werden im Graffiti-Stil gestaltet. Der Sportartikelhersteller Adidas sponserte z.B. urbanartguide.de, eine Webseite zum Thema Street Art, mit Fokus auf Hamburg und Berlin. Red Bull bietet Workshops zu Graffiti und Street Art an, der Zigarettenhersteller Reemtsma Urban Art-Touren. Straßenkunst und Werbung haben eines gemeinsam: Sie wollen Aufmerksamkeit erzielen. Mit dem Unterschied, dass der Grundgedanke hinter der Urban Art nicht kommerziell ist. Die Künstler suchen die Kommunikation mit der Öffentlichkeit und wollen eine Alternative zu den mit Werbung beklebten Flächen bieten. Kaufimpulse bei Passanten zu wecken, ist kein Thema.

Ideen von der Straße

Zuweilen kommt es vor, dass sich die Kreativen der Werbeagenturen ihre Inspiration für die Kampagnen direkt von der Straße holen. Dieser Ideenklau ist für die Künstler besonders ärgerlich, da sie ihre Werke für die Allgemeinheit geschaffen haben, und nicht um mit einer Marke in Verbindung gebracht zu werden. Eine Chance des eigentlichen Urhebers sich dagegen zu wehren, gibt es kaum. Die Aktionen der Street Artists sind überwiegend illegal. Wer sich zu erkennen gibt, nimmt gleichzeitig das Risiko einer Bestrafung in Kauf.

Vhils für Levis „Go Forth“-Werbekampagne 2011, Berlin (c) Anna Moldenhauer

Bei bekannten Artists wie Swoon oder Vhils, klopfen die Vertreter der Markenhersteller aber auch gerne persönlich an. „Für die meisten Künstler wird ein Traum wahr, wenn sie mit ihrer Kunst Geld verdienen können“, so Ulrike Baumann von Nike. In dieser Aussage steckt allerdings auch der Zwiespalt, in dem sich die Artists befinden. Einerseits wollen sie ihre Arbeit nicht irgendeinem Großunternehmen verkaufen, der „Sell-out“ wird in der Szene geächtet. Auf der anderen Seite wünschen sich viele von ihren Werken leben zu können.

Urban-Art Künstler wie Alexandre Farto aka Vhils, der Werbung für Levis in Hauserwände sprengte, sind daher dazu übergegangen ihre Arbeit in zwei Felder abzuteilen – kommerziell und unabhängig. Grenzen gibt es dennoch. Swoon, alias Calendonia Curry, würde laut einem Interview mit reclaimyourcity.net niemals mit Nike zusammenarbeiten. Ihr missfällt die Unternehmenspolitik des Sportartikelherstellers.

Die Gedanken befreien

Dazu wehren sich Artists gegen die Dominanz von Werbung im öffentlichen Raum, der wir täglich ausgesetzt sind. Sie überkleben, übermalen oder verfremden diese, so wie Jordan Seiler in New York oder Princess Hijab in Paris. Hinter dem „Ad Busting“, der Verfremdung von Werbeanzeigen, steckt neben der Konsumkritik oft auch ein politischer Gedanke: Princess Hijab, die „Schleierprinzessin“, thematisiert mit der schwarzen Zensierung von halbnackten Werbefiguren die Immigrationspolitik in ihrer Heimat Frankreich. Der Künstler ZEVS greift für die Rückeroberung der Stadt hingegen zur Schere: Beim Visual Kidnapping werden die Werbefiguren einfach aus den Plakaten herausgeschnitten.

Jordan Seiler in Kooperation mit Posterboy, New York 2010 (c) Jordan Seiler

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